Exoplaneten: Kepler findet Unmengen erdgroßer Planeten

Bahnt sich hier eine kleine Sensation an:

Exoplaneten: Kepler findet Unmengen erdgroßer Planeten - Sterne und Weltraum

Nach diesen Ergebnissen hat jeder 1000ste Stern in der Milchstraße einen Planeten von der Größe der Erde.
Bei geschätzten 100 Milliarden Sternen in unserer Galaxie ergibt das 100 Millionen Planeten von der Größe der Erde.
Setzt man jedoch den Wert von 1/1000 als die Anzahl der Sterne mit erdähnlichen Planeten in die Drake-Gleichung ein, so ergibt sich trotzdem eine ernüchternd niedrige Anzahl von außerirdischen Zivilisationen in unserer Milchstrasse mit denen ein Kontakt möglich wäre:

N=R* f_p * n_e *f_L * f_i * f_C * L

mit

R = 10/y (Sternenstehungsrate: Abschätzung über Anzahl Sterne in Milchstrasse 10ˆ11 / 10ˆ10 y Alter des Universums)
f_p * n_e = 1/1000 (Wahrscheinlichkeit für Planeten von Erdgröße aus den Kepler-Messungen)
f_L = 2/10 (Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Leben)
f_i = 1/100 (Wahrscheinlichkeit für intelligentes Leben)
f_C =1/100 (Wahrscheinlichkeit für Leben mit Interesse an Kommunikation)
L = 10000y (Lebensdauer einer technischen Zivilisation)

Mit den obigen Faktoren (übernommen aus Drake Equation) ergibt sich

N = 1/500

D.h. die Anzahl der außerirdischen Zivililisationen in der Milchstrasse mit denen wir kommunizieren könnten ist weit weniger als 1. Auf das ganze Universum hochgerechnet (100 Milliarden milchstrassenähnliche Galaxien) ergibt sich N=200 Millionen, also etwa eine Zivilisation pro Galaxienhaufen. Die Entfernung zur nächsten Zivilisation liegt nach diesen Abschätzungen dann etwa bei 1-10 Millionen Lichtjahren. Das ist verdammt weit und ein Kontakt praktisch unmöglich. Das würde erklären, warum wir bisher noch keinen Außerirdischen begegnet sind.
Allerdings ist die Drake-Gleichung natürlich nicht wirklich ernstzunehmen: die richtigen Faktoren f_L, f_i, f_C und L sind völlig unbekannt, Drake hat die oben angegebenen Werte einfach geschätzt. Statt der Drake-Gleichung könnte man auch die Gleichung der Rare-Earth-Hypothese benutzen. Schlauer wird man davon aber auch nicht, denn auch dort sind die meisten Faktoren ziemlich willkürlich angesetzt.
Also kann man trotz der vielen erdähnlichen Planeten nicht wirklich etwas über die Anzahl außerirdischer Zivilisationen sagen. Allerdings besteht eine Wahrscheinlichkeit von 1, dass im Umkreis von 100 Lichtjahren (etwa 1000 Sterne), ein erdähnlicher Planet existiert. Diesen könnte man theoretisch gerade so in der Lebenspanne eines Menschen erreichen, wenn man mit Lichtgeschwindigkeit reist.

UPDATE: Inzwischen ist der erste annähernd erdähnliche Planet in 600 Lichtjahren gefunden worden: Kepler 22b, siehe http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,801916,00.html oder mit Link zum Orginalartikel der Nasa http://www.kurzweilai.net/nasas-kepler-confirms-its-first-planet-in-habitable-zone-of-sun-like-star.

Kommentare:

Andreas Maier hat gesagt…

Interessant! Neuer Untersuchungen (2013) zeigen jetzt, dass man sogar noch optimistischer sein kann. Der Artikel (http://arstechnica.com/science/2013/11/new-kepler-analysis-finds-many-earth-like-planets-total-3500-exoplanets/) spricht von einem erdähnlichen Planeten innerhalb eines Umkreises von 12 Lichtjahren.

Andreas Maier hat gesagt…

Eine neue Veröffentlichung untersucht das Thema detaillierter, kommt aber im Groben zum gleichen Ergebnis:

"a biotic planet may be expected within 10 -- 100 light years from Earth."

Siehe https://medium.com/the-physics-arxiv-blog/how-data-from-the-kepler-space-telescope-is-changing-the-drake-equation-cea9c7008bc1