Traurige Geschichten aus der Ausländerbehörde Berlin

Am 30. Januar 2012 war ich mit meiner lieben Ehefrau bei der Berliner Ausländerbehörde am Friedrich-Krause-Ufer 24. Ein wirklich wunderhässlicher Bau abseits von allen Bus und U-Bahnlinien, um dem gemeinen Ausländer gleich zu zeigen, wie willkommen er in Deutschland ist. Wer eintritt wird vom wachsamen Pförtner gleich bestimmt gefragt (natürlich auf deutsch, sonst ist es zu einfach für die Ausländer), was man hier will, und man muss auch gleich den Pass vorweisen. Nachdem derselbe aufmerksam beäugt wurde, wird man dorthin weitergeschickt, wo man sowieso hingehen wollte, denn meistens weiss man die eigene Nationalität.
Allerdings sollte man deutsch können, um sich zurechtzufinden. In der ganzen Ausländerbehörde gibt es kein einziges Schild z.B. auf englisch (Doch ein einziges, da stand: "No students") oder vielleicht gar auf türkisch. Ist auch vollkommen klar, die Beamten der Ausländerbehörde sind schliesslich alles reinsprachige Deutsche und die müssen sich ja in ihrer eigenen Behörde zurechtfinden können. Das die Besucher der Ausländerbehörde wohl zu 95% Ausländer sein dürften ist da kein Argument. Amtssprache in Deutschland ist deutsch, das wird jedem Ausländer hier unverblümt klar gemacht.
Deswegen sind die Warteräume auch nach dem Alphabet aufgeteilt, Warteraum 1 für Nachnamen von A-M, Warteraum 2 von N-Z. Aber was machen eigentlich die armen Ausländer, deren Nachname nicht in lateinischen Buchstaben geschrieben ist? Ich hab gerüchteweise gehört, dass es noch andere Schriftsysteme geben soll auf der Welt, zB. kyrillisch, japanisch , hindu, arabisch, ... . Aber das stimmt wohl nicht, die Experten im Berliner Ausländeramt wissen das natürlich besser.
Angekommen im Warteraum das übliche Berliner Behördenspiel: Nummer ziehen, hinsetzen und schweigend warten, bis auf der Tafel des Herrn die geheiligte Nummer erscheint zusammen mit dem Raum in den man gehen darf um die Sünden zu beichten und vielleicht Absolution zu bekommen (wenn man alle notwendigen Dokumente dabei hat).
Das besondere in der Ausländerbehörde ist, das man in einen winzigen Raum kommt, wo hinter einer Glasscheibe (wie an der Hochsicherheitskasse einer Bank) der Sachbearbeiter sitzt und durch einen 5cm großen Spalt die 10-20 Dokumente entgegen nimmt, die man für sein Anliegen vorweisen muss. Die Dramen die sich hier abspielen und die den Einbau von Sicherheitsglas notwendig machen, möchte ich mir gar nicht vorstellen. In unserem Fall ist alles nach ein paar Minuten erledigt (meine Frau ist gut vorbereitet) und wir müssen wieder auf unbestimmte Zeit in den Warteraum um das Ergebnis der Bearbeitung abzuwarten. Ich nutze die Zeit um unser Auto umzuparken, denn es gibt natürlich kaum Parkplätze vor der Behörde und so war ich gezwungen etwas unverschämt einen Aldiparkplatz in der Nähe zu belegen, was aber nur für begrenzte Zeit möglich (und wer in die Ausländerbehörde geht sollte besser unbegrenzt Zeit mitbringen).
Zu meiner Überraschung ist meine liebe Frau nach meiner Rückkehr bereits abgefertigt worden und zeigt mir einen tollen Zettel, dessen Inhalt ich hier mal in Auszügen zitieren möchte:

Sehr geehrte Frau ....,

in ihrer Aufenthaltsangelegenheit werden Sie gebeten, unter Vorlage dieses Schreibens

am 22.03.2012 um xx:xx Uhr
ohne Wartenummer direkt in Zimmer xxx (x. Etage, Eingang x)

vorzusprechen.

Sie werden früher als gewöhnlich zur Vorsprache in die Ausländerbehörde gebeten. Grund ist die Einführung des elektronischen Aufenthaltstitels (eAT) im Kreditkartenformat ab 1. September 2011, dessen Bestellung individuell vorbereitet werden muss.
Diese Vorladung gilt auch für ihren Ehegatten/Lebenspartner.
...
Ich bitte Sie, folgende Unterlagen mitzubringen (bitte beachten Sie auch die Folgeseite):
  • ...
  • Orginal des Mietvertrages mit Angabe der Wohnungsgröße in qm und Nachweis über monatliche Kosten der Miete bzw. des Wohneigentum
  • ...
Die Folgeseite:
  • Gebühr 110,00 EUR

Hochachtungsvoll
Im Auftrag
...

7 Wochen Wartezeit!! Und sie schreiben auch noch, das wir früher als gewöhnlich drankommen? Ist das ihr Ernst?
Meine Frau sagt, dass sei ihr Ernst. Außerdem muss sie an diesem Termin alle die Dokumente nochmal vorlegen, die sie heute schon vorgelegt hat! Ich beruhige mich kurz und denke, gut du bekommst also in 7 Wochen die eAT. Nein, auch das nicht korrigiert mich meine Frau. Die Ausstellung der eAT braucht nochmal mindestens 1 Monat, in 7 Wochen dürfen wir nur den Antrag für die eAT abgeben (und die 110 Euro zahlen). Abholen kann sie die eAT dann Ende April oder so. Super, das Visum meiner Frau zur Familienzusammenführung und zur Umschreibung auf eine Aufenthaltsgenehmigung ist 3 Monate gültig und läuft natürlich Mitte April ab. D.h. wir müssen eventuell noch eine Verlängerung beantragen, damit sie die eAT legalerweise abholen kann.

Wie #?%& ist das denn?

So was kann sich doch nicht einmal ein Satiriker ausdenken! Und so ein Schwachsinn ist Realität im Deutschland des 21. Jahrhunderts! Wo ist da das gastfreundliche Deutschland von dem die Medien berichten? Wo ist da die effiziente Verwaltung auf die Deutschland ja so stolz ist und die man auch gerne den Griechen und Italienern beibringen möchte? In Berlin, das ist mir jetzt klar, ist sie definitiv nicht! Man sollte Ausländern die menschlich behandelt werden wollen wohl besser empfehlen woanders in ihr Glück zu suchen. Und das ist wirklich eine traurige Geschichte.



Kommentare:

sascha hat gesagt…

Du musst immer differenzieren zwischen solchen, die aus geschäftlichen Gründen nach Deutschland kommen oder aus privaten, wie bei deiner Frau. Bei Alex haben wir das Ganze sehr freundlich, ohne Wartezeit und Nummern ziehen, ohne Glassabtrennung und so weiter in einer Woche durchziehen können.

Aber der Bau ist wunderbar hässlich und als ich mit dem ÖPNV hingefahren bin, dachte ich die wollen mich verarschen.

lena hat gesagt…

Ich dachte, dass Hamburger Ausländerbehörde schlimm sei. Nun sehe ich, dass in Hamburg wir Glück hatten und die Beamten dort richtig zügig und verständnisvoll sind.
Also, ich habe in Hamburg studiert und bin nach Berlin wegen Arbeit umgezogen. Nun musste ich eine Aufenthaltsgenehmigung für Arbeit beantragen. Den Prozess startete ich bereits im Oktober 2011 in Hamburg, da ich dort noch angemeldet war. Arbeitsamt hat alles geprüft und mir eine Arbeitsgenehmigung erteilt. Nun musste jetzt die Ausländerbehörde ran und mir eine Aufenthaltsgenehmigung für die Arbeitsaufnahme erteilen. Mein Sachbearbeiter sagte, da ich sowieso schnellst möglich nach Berlin umziehen werde, es wäre sinnvoll, die Aufenthaltsgenehmigung bzw. diese Plastikkarte in Berlin mit der neuen Adresse zu beantragen. Er meinte, dass die Übertragung meiner Akte nach Berlin nicht länger, als zwei Wochen in Anspruch nehmen würde. Gesagt, getan. Mitte Dezember meldete ich mich in Berlin an und kontaktierte hier die Ausländerbehörde. Sie teilten mir mit, dass sie meine Akte in Hamburg angefordert haben und sobald sie sie bekommen, werden sie sich bei mir melden. Nach zwei Wochen fragte ich dort vorsichtig nach: sie hatten meine Akte nicht. Nach drei Wochen auch nicht. Nach vier Wochen bekam ich eine E-Mail: ich soll sie mit meinen Fragen nicht mehr nerven, meine Akte haben sie nicht! Jetzt sind schon 6 Wochen vergangen und keine Reaktion!!! Ich kontaktierte meinen Sachbearbeiter in Hamburg. Er bestätigte mir, dass die Akte Anfang Januar nach Berlin gesendet wurden: einmal per Post, einmal elektronisch. Seit vier Monaten kriege ich keine Aufenthaltsgenehmigung! 4 Monaten!!! Hätte ich bloß nicht auf meinen Sachbearbeiter gehört, hätte ich meine Aufenthaltsgenehmigung schon vor Weihnachten gehabt… 

Andreas Maier hat gesagt…

Andere haben ähnlich schlimme Geschichten mit dem Ausländeramt in Berlin erlebt: https://jakubmarian.com/the-horror-of-the-german-foreigners-registration-office/